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Externes Eigenkapital oder Bürgerfonds? – Finanzierung des Netzausbaus in Deutschland

Für den Umbau der Energiewirtschaft in Europa müssen gewaltige Summen investiert werden. Allein für die Infrastruktur veranschlagt Energiekommissar Günther Oettinger mehr als 1 000 Mrd. € für die kommenden zehn Jahre. Im selben Zeitraum müssen rund 51 000 km Höchstspannungsleitungen errichtet, ersetzt oder erneuert werden. Bedauerlicherweise kommt der Übertragungsnetzausbau jedoch hierzulande nicht schnell genug voran und auch beim Anschluss von Offshore-Windparks wie bei deren Ausbau selbst gibt es Zeitverzug. Über Lage und Perspektiven beim Netzausbau unter besonderer Berücksichtigung von Beschleunigungs- und Finanzierungsaspekten sprach „et“ mit Repräsentanten eines stark betroffenen Transportnetzbetreibers, der Bundesnetzagentur, einer Arbeitsgemeinschaft erneuerbarer Energieerzeuger, einer großen Bank sowie einem Wissenschaftler.

„et“: Nord-Süd-Supergrid, Übertragungs- und Verteilnetzausbau sowie Netzanschluss von offshore-Windparks – der Umbau der deutschen Stromversorgung braucht viel Netzinfrastruktur. Das wiederum bedingt einen immensen Kapitalbedarf. Wie stellt sich dieses Thema für Sie dar?

Lex Hartman: Mit zunehmend dezentraler Erzeugung und Einspeisung der volatilen erneuerbaren Energien wird die Entfernung zwischen Produktionsstätte und Konsumenten von bisher durchschnittlich etwa 40-50 km zukünftig auf Hunderte von Kilometern ansteigen. Aber nicht nur das erfordert einen großen Netzausbau. Während der vergangenen 10-15 Jahre wurde bundesweit zu wenig in das deutsche Übertragungsnetz investiert. Diese Investitionen müssen nun nachgeholt werden. Hinzu kommen die Anschlüsse von Offshore-Windparks vor allem in der Nordsee, aber auch in der Ostsee, wobei wir in der Nordsee mit dem Einsatz von Hochspannungsgleichstromübertragung über lange Distanzen technologisches Neuland betreten. Gemäß den Plänen der Bundesregierung sind in der Nordsee Erzeugungskapazitäten von etwa 11 GW bis 2022 geplant. Um diese großen Mengen an Energie gut transportieren zu können, sind dann auch großräumige Gleichstrombrücken an Land notwendig. Das alles erfordert einen gewaltigen Investitionsbedarf in Milliardenhöhe. Nun muss geklärt werden, wie diese Last gemeinsam geschultert werden kann.

Peter Franke: Die Bundesnetzagentur ist mitten in den Vorbereitungen für den Netzentwicklungsplan, der in einen vom Bundestag und Bundesrat zu beschließenden Bedarfsplan münden soll. Diese Planung wird größere Verlässlichkeit bringen, was die Quantifizierung des Ausbaubedarfs angeht. Zudem definiert sie zeitliche Prioritäten. Weil Offshore-Windparks technische und finanzielle Risiken beinhalten, erfordert dies zur Sicherung zeitnaher, den Ausbau parallel begleitender Anbindungsstrukturen einen engen Abstimmungsprozess. Mit einem Leitfaden haben wir einen Wegweiser für die Investitionsschritte bei der Offshore-Anbindung geschaffen. Wir sehen aber durchaus, dass diese Rahmensetzungen allein nicht ausreichen. Die Synchronisierung des Offshore-Ausbaus und der Anbindung der Offshore-Anlagen werden wir innerhalb der uns zur Verfügung stehenden Spielräume tatkräftig unterstützen. Denn der Netzanschluss und -ausbau begegnet vielerlei Hemmnissen, nicht zuletzt auch finanzieller Art.

Dr. Martin Grundmann: Am besten bringe ich ein konkretes Beispiel: In Schleswig-Holstein plant die Landesregierung, die Windkraft in den nächsten vier Jahr Jahren von 3 000 auf 9 000 MW auszubauen. Parallel dazu wurde eine Beschleunigungsvereinbarung für den Netzausbau abgeschlossen. Trotzdem werden die Netzbautermine immer weiter nach hinten geschoben. Das gefährdet die Energiewende. Wir weisen seit über drei Jahren darauf hin, dass es notwendig ist, die Stromnetze auszubauen und die Bevölkerung darauf vorzubereiten. Es kommt beim Thema Netzausbau darauf an, über viele Einzelinteressen – der Netzbetreiber, der erneuerbaren Energieerzeuger und der Bundesnetzagentur, die das alles moderieren soll – hinweg ein gemeinschaftliches Interesse zu formulieren. Wir sind an einem richtungsweisenden Modellprojekt (ca. 120 km Höchstspannungsleitung) an der Westküste Schleswig-Holsteins beteiligt, bei dem die künftigen Anforderungen der Bundesnetzagentur beispielhaft umgesetzt werden sollen. Hierbei geht es nicht zuletzt auch darum, dass den Anwohnern die Möglichkeit gegeben wird, sich finanziell an den Erlösen dieses Netzes zu beteiligen, und das ist ein Novum.

Georg Friedrich Sommer: Zwei wesentliche Stichpunkte, die Synchronisation von Erzeugung/Transport sowie finanzielle Restriktionen des Netzausbaus, wurden schon genannt. Es geht bei Letzerem konkret um die Frage, wer am Ende des Tages die Finanzierung bereitstellen und die wirtschaftlichen sowie regulatorischen Risiken tragen soll. Wir haben heute, und das war so nicht vorhersehbar, eine Situation, dass Kapitalsammelstellen wie Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften, die in der Vergangenheit ein großes Interesse daran gehabt haben, ihre Mittel in Staatsanleihen anzulegen, mittlerweile zu der Überlegung gekommen sind, dass das nicht alternativlos sein muss. Insbesondere deshalb, weil das Profil aus Ertrag und Risiko möglicherweise nicht mehr so ist, wie es vor vielen Jahren gewesen ist. Diese Geldgeber sind nicht zuletzt aufgrund der Staatsschuldenkrise nunmehr bereit, Anlagealternativen in Erwägung zu ziehen, und das bietet Chancen auch für den Netzausbau. Es gibt also auf der einen Seite eine Industrie mit großem Kapitalbedarf und an anderer Stelle Geldgeber, die für Beträge, die auch für eine Volkswirtschaft wie die deutsche von signifikantem Ausmaß sind, eine langfristige und stabile Anlage suchen. Dies alles erfordert ein neues Denken, eröffnet zugleich aber auch Chancen für beide Seiten.

Prof. Dr. Gert Brunekreeft: Die Anreizregulierung war ursprünglich dazu gedacht, Ineffizienzen für eine bekannte Welt abzubauen. Allerdings hat sich die Energiewelt weltweit wie auch hierzulande verändert. Investitionen bewirken im Grunde zweierlei, mit dem die Anreizregulierung nicht gut umgehen kann. Erstens steigen die Kosten anstatt dass sie fallen und damit ändern sich auch die Effekte und Anreize. Zweitens spielt das Unsicherheitsrisiko, das vorher keine Rolle spielte, plötzlich eine große. Auch das passt nicht so gut zur Anreizregulierung. Hier müsste der Regelungsrahmen entsprechend anpasst werden, woran, und das muss fairerweise gesagt werden, mittlerweile auch gearbeitet wird. Es gibt aber im Regulierungszusammenhang ein Thema, das für Investoren vielleicht noch wichtiger ist und das ist das Benchmarking von morgen und übermorgen. Dadurch kommt viel Unsicherheit ins Spiel, weil die Ergebnisse nur schwer abschätzbar sind, aber dennoch mehr oder weniger stark den Erlös bestimmen. Derartige Mechanismen der Anreizregulierung müssen an die heutigen Investitionsbedürfnisse angepasst werden.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 7/2012

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