Donnerstag, 23. November 2017
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Deutsche Energiewende – Abbruch oder Aufbruch?

100 Führungskräfte namhafter Unternehmen der Energiewirtschaft diskutierten auf Einladung von DNV GL – Energy bei den diesjährigen Bonner Energiegesprächen am 20.11.2014 in Bonn das provokante Motto „Deutsche Energiewende – Abbruch oder Aufbruch?“ Mögliche Zukunftsszenarien für den deutschen und europäischen Strommarkt standen dabei im Mittelpunkt. Das Podium war auch in diesem Jahr mit hochkarätigen Branchenvertretern wie Dr. Dirk Biermann (50Hertz Transmission GmbH), Dr. Frank Schmidt (T-Systems International GmbH), Claus Wattendrup (Vattenfall Europe Innovation GmbH), Achim Zerres (Bundesagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen) sowie Christian Hewicker und Peter Frohböse (DNV GL – Energy) besetzt.

Der Gastgeber, Dr. Gunnar Heymann, Country Manager Germany, Energy Advisory, DNV GL – Energy stimmte das Auditorium auf das Thema der Konferenz ein: „Deutsche Energiewende – Abbruch oder Aufbruch?”. Im vergangenen Jahr wurden die legislativen Weichen für die Umsetzung der Energiewende in Deutschland maßgeblich gestellt.

Dennoch bleibt das Vorhaben ein nationaler Kraftakt mit spürbaren Auswirkungen auf die Versorgungssysteme unserer Nachbarstaaten und die energiepolitische Diskussion in Brüssel. Ein Grund, warum Regulierungsbehörden und Marktteilnehmer intensiv beobachten, wie die deutsche Energiewirtschaft mit der Herausforderung umgeht: Integration Erneuerbarer, bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernenergie und das in einer unbundelten Welt, die eine Optimierung „aus einem Guss“ über Netz- und Marktseite erschwert. Im Fokus liegt eine Begrenzung der Kosten bei gleichzeitiger Sicherstellung von Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit. Diesen Themenstellungen näherten sich die Podiumsgäste aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Dr. Frank Schmidt, Leiter Konzerngeschäftsfeld Energie bei T-Systems, erläuterte zunächst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Entwicklung in der Telekommunikations- und Energiebranche. Er wies u. a. auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren einer hohen Kundenorientierung und der Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern der Branche hin.

Anforderungen zur erfolgreichen Markt- und Systemintegration

Anschließend stellte Christian Hewicker, Head of Section Energy Markets bei DNV GL – Energy, eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission über die Anforderungen zur erfolgreichen Markt- und Systemintegration von erneuerbaren Energien vor. Die Studie von DNV GL zeige, dass der Ausbau der Erneuerbaren bis 2030 erhebliche Investitionen in die Infrastruktur im Erzeugungsbereich, aber auch beim Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze erfordere. Durch geeignete technische Maßnahmen sowie durch die Weiterentwicklung von Marktgestaltung und Regulierung sei es aber möglich, den notwendigen Infrastrukturausbau und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren. Aufgrund der hohen Komplexität sei hier auch der Regulierer gefordert.

Achim Zerres, Leiter der Abteilung Energieregulierung bei der BNetzA griff die von Herrn Hewicker gestellten Forderungen auf und stellte die Auswirkungen der Energiewende und deren Folgen für die Weiterentwicklung der Anreizregulierung vor. Aus Sicht der BNetzA bestehen Ansätze zur Weiterentwicklung und Vereinfachungen der Anreizregulierung in folgenden Bereichen:

  • ARegV-Reform;
  • Kapitalkostenabgleich;
  • Gesamtkostenabgleich mit Bonus und
  • Differenzierte Regulierung.

Die Ausgestaltung der genannten Lösungsoptionen wird aktuell von der BNetzA unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Stakeholder-Gruppen konkretisiert. Ein abschließender Bericht wurde zum Jahresende erwartet, hatte sich aber verschoben.

Dr. Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb bei der 50Hertz Transmission GmbH, berichtete über die konkreten Herausforderungen der Energiewende für Übertragungsnetzbetreiber. Seiner Meinung nach sind Fragestellungen im Netzausbau, Versorgungssicherheit und Systemsicherheit zentral. Insgesamt bewertete er die Konditionen in Deutschland durchaus positiv. So kann beispielsweise i. d. R. verfügbarer erneuerbarer Strom auch eingespeist und genutzt werden. Dank des Netzausbaus würde bereits in 2017/18 für die Versorgung in Süddeutschland keine Netzreserve erforderlich sein. Auch im Hinblick auf die Systemsicherheit besteht aufgrund funktionierender Spot-Märkte derzeit ausreichend Flexibilität.

Claus Wattendrup, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH, stellte Demand Response als ein mögliches neues Geschäftsmodell für Energieversorger vor und ging damit auch auf die Chancen der Energiewende für Versorger ein.

Eher Aufbruch als Abbruch!

Das Motto der Veranstaltung aufgreifend, war man sich in der anschließenden Podiumsdiskussion schnell einig, dass die Energiewende neben allen Herausforderungen für Versorger und Netzbetreiber auch Möglichkeiten der Erschließung neuer Geschäftsfelder und Kundengruppen bietet. Heute, und auch in den kommenden Jahren gilt es, hierfür geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Insofern lautete das Fazit der Teilnehmer: „Deutsche Energiewende – eher Aufbruch als Abbruch!“

Die „Bonner Energiegespräche“ sind eine jährliche Veranstaltung von DNV GL, die eine professionelle Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Unternehmen der Branche bietet. Weiterführende Informationen unter: www.dnvgl.com/energy.

Anna Bellot

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