Donnerstag, 23. November 2017
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Profitable Energieerzeugung mit Gas – aber wie?

Im Grünbuch für ein neues Strommarktdesign ist die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stark unterrepräsentiert. Dabei ist diese Option der Energieerzeugung nicht nur eine der wirtschaftlichsten und effizientesten Formen der Energiebereitstellung, sondern für den flexiblen Ausgleich des wachsenden Anteils der erneuerbaren Energien im Stromsystem besonders gut geeignet. Das war der Tenor eines Fachsymposiums, das GE Germany am 26.11.2014 in Berlin durchgeführt hatte. Die rd. 70 Fachleute von Energieversorgern, Stadtwerken und Industrie sprachen sich mehrheitlich dafür aus, die ambitionierten Ziele der Bundesregierung zum weiteren Ausbau der KWK beizubehalten und entsprechend in die Grundsatzentscheidungen mit einzubeziehen.

Kann Erdgas bei der Energiemarktreform als Versicherung und Reserve dienen? Was kann die Erdgas-KWK für Effizienz und Flexibilität leisten? Reicht der Emissionshandel zum Erreichen der Klimaschutzziele aus? Und schließlich: Sind für die Stromversorgungssicherheit Kapazitätsmärkte notwendig und ausreichend? Anhand dieser Leitfragen wurde praxisnah erläutert, wie das Erdgas dazu beitragen kann, die Eckpunkte im energiepolitischen Zieldreieck zu integrieren.

Eine Hoffnung wurde gleich zu Anfang ausgeräumt, nämlich die, dass Erdgas in absehbarer Zeit im Strommarkt mit der Kohle konkurrieren könnte. Wie verschiedene Prognosen darlegen, wird Erdgas wohl bis 2040/50 mehr als doppelt so teuer bleiben wie die Kraftwerkskohle. Da reichen Markteingriffe beim Emissionshandel wie Stabilitätsreserve und Backloading nicht aus, um diesen Wettbewerbsnachteil im Strommarkt auszugleichen. Unabhängig davon, so das Meinungsbild, sind auf jeden Fall strukturelle Reformen beim ETS erforderlich. Insgesamt, wurde deutlich gemacht, geht es im Verlauf der Energiewende darum, Brennstoffkosten durch Kapitalkosten zu substituieren.

Technologisches Hybrid-Konzept

In technologischer Perspektive verspricht die Kombination von stationären Gasturbinen und Gasmotoren mehr Flexibilität und Effizienz. Es konnte gezeigt werden, dass zur Optimierung von Fernwärmesystemen die Aufschaltung von Gasmotoren sinnvoll ist, weil dies die Flexibilität erhöht. So kann ein hoher Brennstoffausnutzungsgrad auch bei niedrigem Fernwärmebedarf erreicht werden.

Ebenso vielversprechend, das konnte anhand eines praktischen Beispiels erläutert werden, ist die Kombination von Fernwärmebezug und kundeneigenem Blockheizkraftwerk (Hybrid-BHKW). Dies insbesondere deshalb, weil es die Stromproduktion bei gleichbleibender KWK-Wärmemenge im Netz (Primärenergiefaktor) in den Kundenbereich verlagert und dadurch den Einsatz von BHKW-Modulen vervielfältigt. Die Speicher- und Regelfunktion obliegt dabei dem Netz.

Leistungsfähigkeit und Flexibilität

Man sollte also, und das konnte man sicherlich auch aus dieser Veranstaltung mitnehmen, Leistungsfähigkeit und Flexibilität von Stromquellen nicht als selbstverständlich ansehen, sondern muss stabile Anreize für die dazu notwendigen Investitionen schaffen. Das gilt einmal mehr für die KWK, sofern diese flexibel einsetzbar ist. Und dort liegt ja, schaut man auf die Energiepolitik, wirklich der Hase im Pfeffer. Völlig unzureichend werden die heute schon kosteneffizient erschließbaren KWK-Potenziale im Aktionsprogramm Klimaschutz behandelt; im nationalen Aktionsplan Energieeffizienz kommt das KWK-Ausbauziel in der Stromerzeugung auf 25 % bis 2020 explizit nicht einmal vor.

Bezüglich des in der Diskussion befindlichen neuen Strommarktdesigns sind, so die überwiegende Auffassung der anwesenden Experten, Strommärkte in Reinform nicht die Lösung. Denn extreme Preisspitzen würden in Deutschland auf Widerstand bzw. mangelnde Akzeptanz stoßen. Es ist deshalb ein Rahmen gefragt, der Flexibilität, Klimaschutz und gesicherte Leistung integriert und wirtschaftlich honoriert. Eine rasche Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes gehört dazu.

Franz Lamprecht

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