Joachim Nitsch, Thomas Pregger und Tobias Naegler
Mit dem Energiekonzept der Bundesregierung vom Jahr 2010 und dem Gesetzespaket zur Energiewende vom Sommer 2011 liegt ein langfristiger politischer Fahrplan für den Klimaschutz und den Umbau der Energieversorgung in Deutschland vor. Die im März 2012 fertiggestellten Langfristszenarien 2011 stellen dazu Ergebnisse systemanalytischer Untersuchungen zur Transformation der Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereitstellung und -nutzung vor. Auf der Basis der technisch-strukturellen Möglichkeiten zum Umbau des Energiesystems und unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Gegebenheiten und Interessen sowie den daraus resultierenden Hemmnissen und Anreizen werden konsistente Entwicklungen aufgezeigt, die prinzipiell zu einer Erfüllung der im Energiekonzept vorgegebenen Ziele führen können.
Politische Entscheidungen über die energiewirtschaftliche Zukunft stützen sich in der Regel auf modellgestützte Prognosen und Szenarienrechnungen. Das ist auch gut so. Problematisch dabei ist, dass meist unter den Tisch fällt, auf welcher Basis die Modellergebnisse zustande kommen. Das gilt insbesondere auch für die Klimapolitik. „et“ sprach mit Prof. Dr. Claus Peter Ortlieb, dem Mitbegründer und langjährigen Leiter des Zentrums für Modellierung und Simulation an der Universität Hamburg, über Modelle, Methoden und Transparenz.
Dietrich Böcker und Dietrich H. Welte
Einer politisch gewollten, drastischen Reduzierung der fossilen Energieträger in Deutschland steht ein deutlicher Verbrauchsanstieg in der Welt gegenüber. Wahrnehmung und Wirklichkeit laufen auseinander. Das 2-Grad-Klimaziel wird fraglich, die Fokussierung auf CO2-Reduktion und Dekarbonisierung bewirkt eine konzeptionelle Schieflage. In einem ausbalancierten, an der Wirklichkeit orientierten Energiekonzept müssen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeitsfragen und Kosten-/Nutzenorientierung verstärkt Eingang finden. Hierbei hat die Wissenschaft eine wichtige Aufgabe.
In der öffentlichen Wahrnehmung insbesondere in Deutschland scheint der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung zu dominieren. Auch wenn der Zubau der Erneuerbaren rasant und mit beachtlichen Kapazitätserweiterungen verläuft, ist der Ausbau der Gaskapazitäten am höchsten.
Wolfram Münch, Malte Robra, Lukas Volkmann, Philipp Riegebauer und Dieter Oesterwind
Aufgrund der Vorrangeinspeisung von Windstrom entstehen schon heute zeitweise beträchtliche Mengen an „grünen Ausfallmengen“. Neben einer Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks, dem Netzausbau und der Speicherung könnte auch das Demand Side Management durch hybride Anwendungstechniken Abhilfe schaffen und wesentlich zur Integration erneuerbarer Energien beitragen. Das hohe Lösungspotenzial lässt sich am Beispiel der Anwendungstechniken zur Wärmeerzeugung im Bereich Haushalte und Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie der Industrie veranschaulichen.