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„et“-Strategiegespräch: Erdgas als Brücke für die erneuerbaren Energien

Im Energiekonzept 2010 war Erdgas eine vergessene Option. Nun bieten sich ihm in der Energiewende mit beschleunigtem Kernenergieausstieg nach Fukushima gute Zukunftschancen. Global wird dem CO2-emissionsärmsten fossilen Energieträger ohnehin eine glänzende Entwicklung prognostiziert. Wie sehen Energiepolitiker die Lage, wie die energiewirtschaftlichen Akteure? „et“ lud mit dem Thema vertraute Vertreter der beiden großen Parteien im Bundestag sowie den Vorstandsvorsitzenden eines großen Stadtwerks ein, über die Perspektiven des Erdgases im Lichte von Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Kosten zu diskutieren. Dabei wurden auch Zukunftsoptionen wie Schiefergas und das Konzept Power-to-Gas angesprochen.

Globale und nationale Perspektiven

„et“: Global sieht die Internationale Energie-Agentur ein Goldenes Zeitalter für das Erdgas bis 2035 heraufkommen, mit einer Bedarfssteigerung über 50 %. Also generell grünes Licht für Erdgas?

Dr. Michael Paul MdB: Ob dem Erdgas global ein goldenes Zeitalter bevorsteht, kommt auf die Perspektive an. Betrachtet man den Ausbau der fossilen Stromerzeugung in China, wo über eine lange Zeit wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk mit einem Wirkungsgrad deutlich unter dem Stand der Technik ans Netz ging, dann bedeutet mehr Gaseinsatz in der dortigen Stromversorgung ein Stück mehr Klimaschutz. Das kann ich nur befürworten. Andererseits könnte man dagegenhalten, dass es besser wäre, in CO2-freie Technologien zu investieren, damit wäre dem Klimaschutz noch mehr gedient.

Ulrich Kelber MdB: Global betrachtet sind die Perspektiven für das Erdgas von Region zu Region unterschiedlich. Wer leichten Zugriff auf preisgünstige Kohle hat, wird diese noch eine ganze Zeit lang verwenden. In manchen Regionen mit größeren Lagerstätten mit höherer Sicherheit als in Mitteleuropa zur Lagerung von abgeschiedenem CO2 aus Kohlekraftwerken wird auch die CCS-Technologie breitere Verwendung finden – mit negativen Konsequenzen für das Zusammenspiel mit den Erneuerbaren, denn CCS macht Kohlekraftwerke noch inflexibler. Ich glaube, dass Europa insgesamt sehr stark in Richtung stärkerer Gasnutzung gehen wird. Ich sehe in den nächsten 10-15 Jahren für Deutschland keine Gefahr einer Knappheit an Gas und auch keine zu starke Abhängigkeit von einem Lieferanten, denn mittlerweile sind Möglichkeiten auch für die kurzfristige Diversifizierung vorhanden.

„et“: Nach einer radikalen energiepolitischen Kehrtwende 2011 hat das Erdgas am Ende eines kurzen Zwischenspiels mit der Kernenergie als Brücke in Deutschland wieder als zentrales Bindeglied in ein hauptsächlich durch erneuerbare Energien dominiertes Energiesystem abgelöst. Wie interpretieren Sie diese nahezu beispiellose politische Aktion?

Dr. Dieter Steinkamp, RheinEnergie AG: Aus unserer Sicht ist die Energiewende mit Kernenergieausstieg als Rückkehr zu dem Ausstiegskonsens des Jahres 2000 die richtige Korrektur. Dabei ist die Rolle von Erdgas erfreulicherweise eine andere geworden. Wir setzen traditionell im Rahmen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) schon seit eh und je bei den fossilen Brennstoffen auf Gas. Dieser Energieträger hat für uns nicht nur Vorteile bei der CO2-Emission gegenüber anderen fossilen Energien, sondern ist im Erzeugungsbereich die Kraftwerksart, die auf absehbare Zeit am flexibelsten gefahren werden kann. Denn gerade die Volatilität der Erneuerbaren, die mittlerweile mit 20 % einen signifikanten Anteil an der Stromversorgung erreicht haben, der weiter steigen wird, erfordert flexible gasbasierte Kraftwerke, um dauerhaft Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2 2012

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