Donnerstag, 22. Juni 2017
-   Der Kommentar
Die Zukunft ist „E“

Udo Rettberg, Publizist und Journalist, Frankfurt am Main

Der et KommentarBei Rohstoffen herrscht in der Ära der Wirtschafts-Moderne – oftmals auch als Zeitalter der Digitalisierung bezeichnet – aktuell teilweise totale Verwirrung. Bunt und munter geht es in diesem Kontext daher auch bei energetischen Rohstoffen – meist Metallen – zu. Im besonderen Fokus stehen seit geraumer Zeit die sogenannten Energiemetalle, die im Gegensatz zu den Energieträgern von gestern – fossilen Energien wie Rohöl, Erdgas oder Kohle – erst in verarbeiteter Form eine Grundlage für ökologisch weniger schädlich erscheinende Energie (hier Elektrizität) sind, die also nicht automatisch durch umweltpolitisch bedenkliches Verbrennen Energie erzeugen. Ausgelöst wird die neue Energie-Ära u. a. durch die seit vielen Jahren durch die Energiedörfer der Welt getriebene Furcht vor einem bevorstehenden Ende des Rohölzeitalters – die sich auf der Basis der sogenannten Peak-Oil-Theorie ausgebreitet hatte. Auf der Suche nach dem Ersatz für Öl, Gas und Kohle zeigten die Menschen in der vergangenen Dekade ausdrücklich eine seit jeher vorhandene Tugend – nämlich die Fähigkeit, Lösungen für vorhandene Probleme zu entwickeln. Denn die digitale Revolution auf dem Globus verlangt in der modernen, von Technologie geprägten Wirtschaft nach alternativen Energie-Lösungen – nicht zuletzt (aber vor allem) auf dem Gebiet der Elektromobilität.

Die Grundlage der e-Mobility sind Batterien aus Lithium, Vanadium, Kobalt, Tantal und anderen Energiemetallen. Bis vor wenigen Jahren wurden zum Beispiel die derzeit in der Autoindustrie stark gefragten Lithium-Ionen-Batterien vor allem für tragbare Geräte mit hohem Energiebedarf wie Digitalkameras, Laptops, Notebooks etc. genutzt. Doch inzwischen ist die Forschung so weit gediehen, dass Lithium im Bereich der Elektromobilität als „Treibstoff der Zukunft“ gehandelt wird, weil bei der Lade- und Nutzungsdauer sowie bei den Reichweiten der e-Cars entsprechende Fortschritte erzielt wurden.

Bis zum Jahr 2030 – so die Prognosen der Fachwelt – werden elektrisch betriebene Automobile rund 25 % der Kfz-Neuzulassungen in der Welt ausmachen. Entsprechende Subventionen der Regierungen sollen helfen, dieses Ziel zu erreichen. Vor diesem Hintergrund kam es in den vergangenen Jahren nicht nur bei kritischen und strategisch als wichtig erachteten Metallen, sondern auch bei den im Technologie-Zeitalter als unverzichtbar geltenden Seltenen Erden (Rare Earth Elements) zu mehreren Hype-Situationen. Im Hintergrund standen dabei die Ängste, diese Rohstoffe könnten künftig möglicherweise nicht in ausreichenden Quantitäten zur Verfügung stehen. Dieser Hype brach dann jedoch rasch in sich zusammen. Denn die Welt hatte festgestellt, dass Rare Earth Elements gar nicht so selten sind wie ihr Name vermuten lässt. Festzustehen scheint aber, dass die Zukunft im Rohstoffsektor auf dem „E“ aufgebaut. Denn im Wettkampf um die Innovationskraft will keines der großen Industrieländer mit Blick auf die globale Energie-Vorherrschaft unter den Druck drohender Verknappungen in der Rohstoffversorgung geraten und damit plötzlich zum Spielball von Konkurrenzländern werden. Dies zumal, da die egoistische Politik der USA inzwischen auf Protektionismus hinausläuft und Globalisierung ein „Akt von gestern“ sein könnte.

Auch andere Faktoren in der sich stark ausbreitenden „e-Welt“ rücken in diesem Kontext in den Fokus der „großen Politik“. Benzin, Diesel und andere fossile Energieträger sind „out“. Hinzu kommt, dass das Angebot einiger der „kritischen“ Rohstoffe wie Lithium (kostengünstig vor allem aus Salzseen im Süden Lateinamerikas zu gewinnen) kurzfristig möglicherweise nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.

In China, in Nordamerika und auch in Europa ist es im Hinblick auf die Vorherrschaft bei e-Cars zu einem Wettlauf der dort ansässigen Automobilfirmen gekommen. Allem Anschein nach haben Tesla und BYD die Konkurrenz abgehängt. Auffallend ist, dass die in früheren Jahren in ökologischen Fragen und innovativen Leistungen meist die Führungsrolle übernehmende deutsche Wirtschaft in Sachen e-Mobility inzwischen unter „ferner liefen“ eingestuft wird. Die in Energiefragen während der vergangenen Jahre oftmals den Irrweg beschreitende Bundeskanzlerin Angela Merkel musste zuletzt eingestehen, dass ihre gesetzten e-Mobility-Ziele nicht erreicht worden sind. Merkel verabschiedete sich vom Ziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straße bringen zu wollen. Doch die Wirtschaft selbst geht jetzt mit gigantischen Investitionen in Batterie-Kapazitäten in die Offensive.

Während die traditionelle Energiewirtschaft (Stromproduzenten, Ölproduzenten) für eine gewisse Zeit um ihren Status bangte, hat sich die Furcht inzwischen auf dieser Seite gelegt; denn vor allem in der Elektrizitätswirtschaft hat man inzwischen begriffen, dass die Digitalisierung der Wirtschaft zu einer anhaltend hohen Energienachfrage führen wird; denn z. B. die Bereiche Fintech, Artificial Intelligence, Big Data und e-Mobility werden in absehbarer Zeit „Stromfresser“ sein und der zuletzt nicht gerade auf Rosen gebetteten Branche unter die Arme greifen.

Eine zuvor expressis verbis getroffene Aussage gilt auch für die weitere Zukunft: Der Mensch war bisher stets in der Lage, Probleme zu erkennen, zu analysieren und in der Folge dann auch entsprechende Lösungen zu finden. Wer optimistisch ist, geht davon aus, dass die Spezies Mensch dazu auch künftig in der Lage sein wird – gerade auch bei der Erarbeitung von Lösungen im Energiebereich.

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