Samstag, 22. September 2018
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Versorgungsprobleme bei mehrmonatigem Lieferstopp für Gas aus Russland

Ein Stopp russischer Erdgaslieferungen nach Westeuropa ab November würde nach spätestens sechs Monaten zu erheblichen Versorgungsstörungen in Deutschland führen. Das ergibt sich aus einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Um den Ausfall russischer Lieferungen innerhalb dieses Zeitraums kompensieren zu können, müsste in Europa allerdings erheblich mehr Flüssiggas als im Jahr 2013 importiert werden.

In der Studie werden die Auswirkungen von Embargos verschiedener Dauer berechnet. Bei einem Lieferstopp von sechs Monaten würden in Deutschland rd. 3 Mrd. m3 an Gas fehlen, bei einem Embargo, das länger als neun Monate dauert, wären es schon 12 Mrd. m3.

Die Autoren der Studie führen die Folgen eines längeren Embargos für Deutschland vor allem auf drei Gründe zurück: Deutschland sei der größte Importeur von russischem Gas in Europa. Zum Zweiten hätten die Niederlande und Norwegen einen wesentlichen Teil ihrer Gasproduktion über langfristige Verträge an Länder wie Frankreich und Italien verkauft – sie hätten nur begrenzte Kapazitäten für zusätzliche Lieferungen nach Deutschland frei. Drittens verfüge Deutschland zwar über große Kapazitäten an Gasspeichern, je länger das Embargo aber anhalte, umso weniger nützten die Speicher.

Entscheidend für die Versorgungssituation ist die Menge an Flüssiggas (LNG), die auf dem Weltmarkt bezogen werden kann: Um die Gasversorgung in Deutschland während eines Embargos von fünf Monaten Dauer zu sichern, müsste Europa seine Flüssiggasimporte gegenüber 2013 nahezu verdoppeln und zusätzliche 45 Mrd. m3 beschaffen. Werden nur zusätzliche 25 Mrd. m3 importiert, drohen bereits bei einem dreimonatigen Gas-Embargo Lieferengpässe in Deutschland. Zusätzliches Flüssiggas bekäme Deutschland aber nur zu deutlich höheren Preisen, da Deutschland und Europa hier im globalen Wettbewerb mit anderen Nachfragern, z. B. Japan, stehen.

Weitere Informationen:
www.ewi.uni-koeln.de

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