Donnerstag, 30. März 2017
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Die durch thermische Kraftwerke gewährleistete Versorgungssicherheit in Deutschland ist ein Geschenk der Vergangenheit. Es wäre vorschnell und sachfremd, neben der Kernkraft auch die Kohlenkraftwerke stilllegen zu wollen, wie in der politischen Diskussion oft gefordert wird. Kein Industrieland, das über ähnlich geringe Gas- oder Ölvorräte wie Deutschland verfügt, versucht auf Kohle und Kernkraft gleichzeitig zu verzichten, um als einzige konventionelle Option auf Erdgas zu setzen. Das sollte man bedenken, wenn in Deutschland wieder über Ausstiegspläne debattiert wird.

Der Preisabstand (Spread) zwischen Kraftwerkskohle und Erdgas stieg seit 1999 stark an. Dieser Gap erreichte in 2013 mit 171 €/t SKE seinen Höchststand. Vielfach wurden höhere CO2-Preise gefordert, um den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern. Doch inzwischen zeigt sich, dass fallende Gaspreise zu einer wachsenden Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas führen. Interventionen in das EU-ETS oder auf nationaler Ebene mit dem Ziel, den Gaseinsatz im Stromsektor zu fördern, machen daher keinen Sinn und würden lediglich den Wettbewerbsdruck auf die Gasproduzenten mindern sowie für diese zu einer Monopolrente führen.

Versorgungssicherheit – eine weitgehend nationale Aufgabe!

„Versorgungssicherheit wird europäisch gewährleistet“, so heißt es im Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends, Aufgaben für die kommenden Jahre“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Aber kann der europäische Binnenmarkt für Strom die Lösung für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit in Deutschland sein? Diese Frage stellt sich insbesondere bei hohen Netzlasten, so bei Kälte und Dunkelflaute.

Das BMWi hat Mitte September das Impulspapier „Strom 2030 – Langfristige Trends – Aufgaben für die kommenden Jahre“ veröffentlicht. Ziel ist es festzustellen, was innerhalb dieses Zeitrahmens zu tun ist. In zwölf Trends wird die Entwicklung des Strommarktes in Deutschland im Zeithorizont 2030 beschrieben und zur Diskussion gestellt.

Sicher verfügbare Erzeugungsleistung wird knapp

Mit der EEG-Reform 2016 hat der Gesetzgeber einen Ausbaupfad für erneuerbare Energien definiert. Der Schwerpunkt liegt auf Wind- und Photovoltaikanlagen, die allerdings kaum Versorgungssicherheit gewährleisten, da deren Einspeisung stark schwankt und zeitweise nahe Null liegt. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Annahmen der Bundesnetzagentur zur energiewirtschaftlichen Entwicklung in dem im Juni 2016 genehmigten Szenariorahmen für die Netzentwicklungspläne Strom 2017–2030. Es stellt sich unmittelbar die Frage: Wenn die sicher verfügbare Erzeugungsleistung knapp wird, wie steht es dann perspektivisch um die Versorgungssicherheit?

Bei der Frage, wie es in Deutschland gelingen soll, bis zum Jahr 2050 weitestgehend CO2-frei zu sein, muss man sich bewusst machen, dass alle CO2-Emissionen, ganz egal auf welcher Stufe sie entstehen, zu guter Letzt dem Konsum zuzuordnen sind. Es geht also nicht nur um die energiebedingten Emissionen, sondern auch um Fragen wie Ernährung und Freizeit und damit mittelbar u. a. um die Landnutzung und unser Konsumverhalten. Das bedeutet, dass unser Lebensstil untrennbar mit der CO2-Minderung verbunden ist.

Was ist der geeignete Maßstab für den Erfolg der Energiewende?

Am Mittwoch, den 11.5.2016 meldete die Nachrichtenagentur AFP, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschlands Stromnutzung am Muttertag einen neuen Rekordwert erreicht habe. An diesem Sonntag wurden zeitweise 87,6 % des Strombedarfs mit Ökostrom gedeckt, wie aus einer Auswertung der Initiative Agora Energiewende hervorgeht. Nie zuvor wurde demnach in Deutschland ein so hoher Wert erreicht. Doch ist das eine wirkliche Erfolgsmeldung? Eine genauere Betrachtung zeigt, dass neben dem Ausbau der Erneuerbaren auch der Netzausbau und die Vorhaltung gesicherter Kapazitäten nicht vernachlässigt werden darf.

Die Energiewende ist in voller Fahrt – zumindest könnte man dies denken, wenn man lediglich auf die Rate schaut, mit der die erneuerbaren Energien innerhalb der deutschen Energielandschaft ausgebaut werden. Doch es gibt ein Problem: Der Netzausbau kann mit dem Zuwachs der Erneuerbaren nicht mithalten. Das deutsche Stromnetz steht unter zunehmender Anspannung. Und damit zeigt sich, dass das Tempo des EE-Zubaus kein vernünftiger Maßstab sein kann, um den Fortschritt der Energiewende zu bewerten.

Die Stromerzeugungsstruktur der EU erfordert eine differenzierte Energiepolitik

Bei der Stromerzeugung in der EU bestehen differenzierte Strukturen, die auf unterschiedlichen natürlichen Gegebenheiten, politischen Entscheidungen und Investitionen vergangener Jahrzehnte beruhen. Seit langem wird engagiert um die „eine und richtige“ Energiepolitik gerungen. Doch gerade wegen der Unterschiede in den einzelnen Ländern kann eine vereinheitlichte Energie- und Klimapolitik für die EU nicht der richtige Weg sein. Vielfalt ist eine Stärke, was die EU-Kommission durchaus berücksichtigt. Mehr Verständnis für die Spezifika in anderen Ländern sollte daher gerade die deutsche Politik und Öffentlichkeit aufbringen, die allzu oft aus eigener Perspektive heraus urteilt.

Viele Jahre stand die Ölpreisbindung von Erdgas in der Kritik. Es gab vielfältige Maßnahmen, um die Gasmärkte wettbewerbsorientierter zu gestalten. Für Gas wurden große Potenziale im Strommarkt gesehen, doch inzwischen ist klar, dass sich der Markt in der Realität anders entwickelt hat, als die Prognosen vorhergesagt hatten. Seit Ende 2014 sind die Ölpreise deutlich gefallen, die Gaspreise hingegen nicht. Interessant ist vor diesem Hintergrund die Frage, was die Entkopplung der Preisbindung für den deutschen Gasmarkt und die Debatte um einen Kohleausstieg bedeutet.

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